Was möchten Sie in diesem Jahr noch erledigen? Die Steuerunterlagen sind sicherlich schon bei Ihrer Steuerberaterin. Falls Sie in diesem Jahr noch keine Zahnvorsorgeuntersuchung hatten, könnte es schwer werden, einen Termin bei einer Zahnärztin zu bekommen. Einfacher ist es vielleicht mit einem Termin bei Ihrer Automechanikerin, um die Reifen wechseln zu lassen.
Inhalt
Perspektivwechsel
Sie stutzen? Das haben die Menschen in der Gemeinde Friedrichsdorf auch getan, als sie die neu formulierte Satzung der Freiwilligen Feuerwehr gelesen haben.
Die Geschichte dazu ist schnell erzählt: Vor einiger Zeit wurde die Satzung der Freiwilligen Feuerwehr dahingehend geändert, dass nicht mehr nur die männliche, sondern zusätzlich auch die weibliche Form genutzt wurde. So stand in der alten Fassung beispielsweise „der Stadtbrandinspektor“. Während in der überarbeiteten Fassung zu lesen war: „der Stadtbrandinspektor / die Stadtbrandinspektorin“.
Der städtischen CDU war diese Paarform ein Dorn im Auge. Es solle auf die Nennung der einzelnen Formen verzichtet werden, forderte die Fraktion. Dieser Antrag wurde angenommen. Bürgermeister Lars Keitel (Grüne) setzte ihn in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr um – und nutzte ausschließlich das generische Femininum. So steht in der neuen Fassung der Satzung nun nur noch „die Stadtbrandinspektorin“.
Sprache wirkt
In unseren Trainings setzen wir auch immer wieder das Stilmittel des Perspektivwechsels ein. Denn wenn man am eigenen Leib erfährt, was „mitgemeint“ bedeutet, wird oft schnell klar, dass dieses Konzept nicht funktioniert.
So haben wir das auch in der Einleitung zu diesem Blogbeitrag getan. Sie haben sicherlich auch gestutzt: Steuerberaterin, Zahnärztin, Automechanikerin. Hätten wir oben nur die männliche Form genutzt, wären vor Ihrem inneren Auge mit großer Wahrscheinlichkeit nur Männer erschienen.
Denn inzwischen belegen Studien: Präsentiert man Kindern Berufe in der sowohl männlichen als auch weiblichen Form, entscheiden sich auch Mädchen für sogenannte Männerberufe und umgekehrt. Dies geschieht nicht, wenn man von Berufen nur in der männlichen Form spricht. Sprache wirkt.
Kurz erklärt
Weil wir in diesem Blogbeitrag einige Fachbegriffe genutzt haben, möchten wir diese kurz erklären. Wir beginnen mit dem sogenannten generischen Maskulinum. Das bedeutet, dass mit einer grammatisch männlichen Form Personen aller Geschlechter angesprochen werden sollen. Inzwischen wissen wir, dass das generische Maskulinum nicht funktioniert.
Ein Beispiel dafür ist der oben erwähnte Stadtbrandinspektor. Theoretisch sollen damit Personen aller Geschlechter mitgeweint sein. Der Stadtbrandinspektor soll demnach männlich, weiblich oder nicht binär sein. Praktisch stellt man sich bei dieser Formulierung eher einen männlichen Stadtbrandinspektor vor.
Das generische Femininum arbeitet nach dem gleichen Prinzip: Es wird die grammatisch weibliche Form genutzt, damit sollen alle Geschlechter mitgemeint sein. Auch das funktioniert nur theoretisch. Liest man das Wort Stadtbrandinspektorin, stellt man sich eher eine Frau vor.
Bei einer Paarform nutzt man sowohl die männliche als auch die weibliche Form: der Stadtbrandinspektor / die Stadtbrandinspektorin. Menschen, die sich weder als männlich noch als weiblich bezeichnen, sind damit nicht abgebildet.
Ausprobieren!
Machen Sie den Test und probieren Sie selbst einmal aus, wie Sprache wirkt. Sprechen Sie etwa einen Tag lang nur im generischen Femininum. Wenn Sie mögen, schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen ins Kommentarfeld – wir sind gespannt!
Wenn Sie sich sprachlich gerechter ausdrücken möchten oder Ihre Satzung noch im generischen Maskulinum festhängt, melden Sie sich bei uns. Gern bearbeiten wir Ihre Materialien oder geben für Sie ein Gendertraining.



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